Bestandsverzeichnis-Pflicht in Österreich: Inhalt & Fristen
Das Bestandsverzeichnis ist für Tierhalter Pflicht und ein Kernpunkt jeder AMA-Kontrolle. Wer es sauber führt, spart sich Stress. Hier steht, was rein muss und worauf es ankommt.
Was ist ein Bestandsverzeichnis?
Das Bestandsverzeichnis (auch Tierverzeichnis) ist ein laufend geführtes Verzeichnis aller Tiere eines Betriebs. Es dokumentiert Kennzeichnung, Herkunft und Verbleib jedes Tieres und bildet damit den lückenlosen Nachweis deines Tierbestands.
Ist das Bestandsverzeichnis Pflicht?
Ja. Für Rinder ergibt sich die Pflicht aus der Rinderkennzeichnungs-Verordnung 2021 (BGBl. II Nr. 174/2021): Jede rinderhaltende Person – ausgenommen Transporteure – muss für alle am Betrieb gehaltenen Rinder ein Bestandsverzeichnis nach dem von der AMA herausgegebenen Muster führen. Ein selbst gebasteltes Formular genügt nicht. Bei Kontrollen werden Kennzeichnung, Meldungen und Bestandsverzeichnis auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft; Lücken können zu Beanstandungen und Prämienkürzungen führen.
Für Schafe und Ziegen gilt dieselbe Pflicht über das VIS: Alle schaf- und ziegenhaltenden Betriebe müssen ein Bestandsregister führen, analog oder digital.
Die Ausnahme, die viele nicht kennen
Für Rinderhalter ersetzt der eAMA-Zugriff das Bestandsverzeichnis. Wer seine Meldungen über eAMA macht und dort Zugriff auf die Rinderdatenbank hat, muss kein zusätzliches Verzeichnis händisch führen – die AMA führt das ausdrücklich als Verwaltungsvereinfachung. Ohne eAMA-Zugriff ist die Eintragung verpflichtend.
Wichtig: Das gilt nur für Rinder. Für Schafe und Ziegen gibt es diese Erleichterung nicht.
Was muss ins Bestandsverzeichnis?
- Ohrmarke / Tiernummer – eindeutige Kennzeichnung des Tieres
- Rasse und Geschlecht
- Geburtsdatum
- Zugang – Datum und Herkunft (Geburt, Zukauf inkl. Herkunftsbetrieb)
- Abgang – Datum und Verbleib (Verkauf, Schlachtung, Verendung)
- Vorbesitzer und Nachbesitzer
- Almaufenthalt
Die Ohrmarkennummer des Vaters ist kein Pflichtfeld, darf aber freiwillig eingetragen werden.
Beim Bestandsregister für Schafe und Ziegen sind zusätzlich der Tierbestand zum 1. April jedes Jahres sowie die Anzahl der weiblichen Tiere über zwölf Monate bzw. mit bereits geworfenem Nachwuchs festzuhalten.
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Fristen: Eintragung und Aufbewahrung
| Rinder | Schafe & Ziegen | |
|---|---|---|
| Eintragung nach einer Änderung | 7 Tage | 7 Tage |
| Aufbewahrung | 4 Jahre | mindestens 7 Jahre |
Die Aufbewahrungsfrist bei Rindern zählt ab dem Ende des Kalenderjahres, auf das sich das Verzeichnis bezieht – ein Eintrag aus dem März 2026 ist also bis Ende 2030 aufzubewahren, nicht bis März 2030.
Hat eine rinderhaltende Person mehrere Betriebsstätten in verschiedenen Gemeinden, ist für jede Betriebsstätte ein eigenes Bestandsverzeichnis zu führen.
Zur Einordnung: Die steuerliche Aufbewahrungspflicht für Bücher und Belege ist davon unabhängig und länger. Wer sein Verzeichnis nach vier Jahren wegwirft, kann es aus steuerlicher Sicht trotzdem noch brauchen.
Papier oder digital führen?
Auf Papier ist es zulässig, aber fehleranfällig: vergessene Eintragungen, unleserliche Zettel, mühsames Suchen bei Kontrollen. Digital wird jeder Zu- und Abgang automatisch mitgeführt und lässt sich per Klick als PDF exportieren – kontrollbereit.
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Häufige Fragen
Ist ein Bestandsverzeichnis Pflicht?
Ja. Für Rinder schreibt die Rinderkennzeichnungs-Verordnung 2021 (BGBl. II Nr. 174/2021) ein Verzeichnis nach dem AMA-Muster vor, für Schafe und Ziegen gilt die Pflicht über das VIS. Ausnahme: Für Rinderhalter mit eAMA-Zugriff ersetzt dieser das Bestandsverzeichnis.
Wie lange muss ich das Bestandsverzeichnis aufbewahren?
Bei Rindern vier Jahre, gerechnet ab dem Ende des Kalenderjahres, auf das sich das Verzeichnis bezieht. Das Bestandsregister für Schafe und Ziegen ist mindestens sieben Jahre aufzubewahren.
Wie schnell muss ein Zu- oder Abgang eingetragen werden?
Innerhalb von sieben Tagen nach dem Ereignis – das gilt für Rinder ebenso wie für Schafe und Ziegen.
Was muss im Bestandsverzeichnis stehen?
Ohrmarkennummer, Geburtsdatum, Geschlecht, Rasse, Zu- und Abgangsdatum, Schlacht- oder Verendungsdatum, Vor- und Nachbesitzer sowie der Almaufenthalt. Die Ohrmarke des Vaters ist freiwillig.
Brauche ich für mehrere Betriebsstätten mehrere Verzeichnisse?
Ja, wenn die Betriebsstätten in verschiedenen Gemeinden liegen. Dann ist für jede ein eigenes Bestandsverzeichnis zu führen.
Darf ich das Bestandsverzeichnis digital führen?
Ja. Digitale Führung ist zulässig und praktischer: Zu- und Abgänge werden automatisch mitgeführt und lassen sich als PDF exportieren – kontrollbereit.
Quellen
- AMA – Lebendrinderkennzeichnung, SystembestandteilePflichtangaben, 7-Tage-Frist, Aufbewahrung 4 Jahre, eAMA ersetzt das Verzeichnis
- USP – Rinder: Führung des RegistersVerpflichtender Inhalt nach dem AMA-Muster
- VIS (Statistik Austria) – Bestandsregister Schafe & Ziegen7-Tage-Frist, Aufbewahrung mindestens 7 Jahre, Stichtag 1. April
- Rinderkennzeichnungs-Verordnung 2021 (BGBl. II Nr. 174/2021) im RISRechtsgrundlage der Führungspflicht. Achtung: Die AMA-Musterdatei nennt noch die Verordnung von 2008 – die ist seit 21.04.2021 außer Kraft.
Zuletzt geprüft: 15.09.2026
Passend dazu
- Bestandsverzeichnis-Vorlage – die Pflichtangaben als fertige Vorlage zum Ausdrucken
- Ohrmarken beim Rind – Kennzeichnung, Nachkennzeichnung und die 7-Tage-Frist
- GVE-Rechner – Großvieheinheiten aus dem Bestand, der sich aus dem Verzeichnis ergibt
- AMA-Kontrolle: Checkliste – woran die Kontrolle das Verzeichnis misst
- Almauftrieb melden – die 14-Tage-Frist nach dem Auftrieb und was bei Verspätung passiert
- Rindermeldung: die 7-Tage-Frist – ab wann sie läuft und was eine verspätete Meldung kostet
- Meldung versäumt: was droht? – Prämienverlust und die Strafrahmen des Tiergesundheitsgesetzes
- Betriebsnummer (LFBIS) – die siebenstellige Kennung, ohne die kein Antrag geht
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Sorgfältig recherchiert und mit den oben genannten amtlichen Quellen abgeglichen, aber ohne Gewähr; ersetzt keine rechtliche Beratung. Fristen können sich ändern – im Zweifel bei der AMA, dem VIS oder der zuständigen Behörde nachfragen.