Zum Inhalt springen
← Zur Startseite
Abrechnung lesen

Milchgeldabrechnung: Beispiel und was die Positionen bedeuten

Grundpreis, Fett- und Eiweißzuschlag, Qualitätsklasse, Abzüge – eine Abrechnung hat mehr Zeilen als Antworten. Hier steht, was jede bedeutet, an einem durchgerechneten Beispiel.

Der häufigste Irrtum

Es gibt zwei Standardisierungen nebeneinander. Die AMA rechnet ihre Statistik auf 4,0 % Fett / 3,4 % Eiweiß um, die Preisvergleiche der Landwirtschaftskammern und von Bio Austria dagegen auf 4,2 % Fett / 3,4 % Eiweiß in S-Klasse.

Wer seinen Auszahlungspreis mit einer Vergleichstabelle abgleicht, muss wissen, welcher der beiden gemeint ist – sonst wirkt der eigene Preis zu niedrig oder zu hoch, ohne dass sich etwas geändert hat.

Eine Abrechnung Zeile für Zeile

Die Zahlen unten sind ein erfundenes Rechenbeispiel, keine echten Molkereipreise. Die gelten je Molkerei und Monat verschieden – deine Abrechnung nennt deine eigenen.

PositionBeispielwas dahintersteckt
Liefermenge12.400 kgGerechnet wird in Kilogramm, nicht in Litern. 1 Liter Milch wiegt rund 1,03 kg – wer in Litern denkt, unterschätzt die Menge.
Fettgehalt4,25 %Aus der Güteprüfung. Die Abweichung vom Referenzwert wird je 0,1 % vergütet oder abgezogen.
Eiweißgehalt3,48 %Meist höher bewertet als Fett, weil Eiweiß in der Käseherstellung wertbestimmend ist.
Grundpreis44,00 ct/kgDer Preis bei Referenz-Inhaltsstoffen. Alles Weitere sind Zu- und Abschläge darauf.
Zuschlag Fett+ 0,13 ct0,05 % über dem Referenzwert von 4,2 %, vergütet je 0,1 %.
Zuschlag Eiweiß+ 0,32 ct0,08 % über 3,4 %, mit dem höheren Eiweißsatz vergütet.
Qualitätsklasse S+ 0,80 ctJe nach Molkerei meist zwischen 0,5 und 1,0 Cent je kg.
Programmzuschläge+ 3,00 ctGentechnikfrei, Heumilch, Bio, Tierwohl – je nachdem, woran der Betrieb teilnimmt.
Abzüge− 0,60 ctErfassung, Beiträge, Marketing. Stehen oft klein am Ende und werden übersehen.
Auszahlungspreis netto47,65 ct/kgMal 12.400 kg ergibt 5.908,60 € netto.

Abrechnung und Milchleistung nebeneinander

In AGRIVO hältst du Liefermengen und Erlöse fest und siehst, wie sich Inhaltsstoffe und Preis über die Monate entwickeln – statt zwölf Zettel zu vergleichen. Mit deinem kostenlosen AGRIVO-Konto behältst du alles automatisch im Blick – inklusive Erinnerungen.

Kostenloses Konto anlegen →

Was die S-Klasse verlangt

Die Güteklasse entscheidet über einen Zuschlag, der über das Jahr spürbar ist. Für die S-Klasse gelten Grenzwerte bei:

  • Keimzahl – unter 50.000 je Milliliter
  • Zellzahl – je nach Molkerei höchstens 250.000 je Milliliter
  • Hemmstoffe – dürfen nicht nachweisbar sein

Hemmstoffe sind der Punkt, an dem eine versäumte Wartezeit teuer wird: Ein positiver Befund kostet nicht nur den Zuschlag.

Drei Dinge, die zu prüfen sind

  1. Stimmt die Menge? Gegen die eigenen Aufzeichnungen halten – Übernahmemengen weichen gelegentlich ab.
  2. Passen Fett und Eiweiß zur Güteprüfung? Die Werte auf der Abrechnung sollten den Laborwerten entsprechen.
  3. Welche Abzüge stehen unten? Sie sind klein gedruckt, summieren sich über zwölf Monate aber auf einen dreistelligen Betrag.

Zum Einordnen hilft der AMA-Durchschnitt: Molkereien sind nach der Milch-Meldeverordnung verpflichtet, ihren Auszahlungspreis monatlich zu melden, und die AMA veröffentlicht daraus den Durchschnitt.

Zwölf Abrechnungen ergeben erst ein Bild

Eine einzelne Abrechnung sagt wenig – erst der Verlauf zeigt, ob Inhaltsstoffe und Preis sich entwickeln. In AGRIVO trägst du Menge und Erlös je Monat ein und siehst den Verlauf, ohne zwölf Zettel nebeneinanderzulegen. Made in Austria.

Kennst du jemanden, dem das hilft?

Kostenlose Praxis-Tipps für deinen Betrieb

Förderfristen, Saisonarbeiten & neue Rechner – kompakt per E-Mail. Jederzeit abbestellbar.

Lieber gleich alles digital verwalten? Kostenloses Konto anlegen →

Häufige Fragen

Auf welche Werte wird der Milchpreis standardisiert?

Es gibt zwei gebräuchliche Bezugsgrößen: Die AMA rechnet ihre Statistik auf 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß um (ab Hof, ohne Umsatzsteuer). Die Preisvergleiche der Landwirtschaftskammern und von Bio Austria verwenden 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß in S-Klasse. Beim Vergleichen lohnt der Blick, welcher gemeint ist.

Wird in Litern oder in Kilogramm abgerechnet?

In Kilogramm. Ein Liter Milch wiegt rund 1,03 kg – wer in Litern rechnet, kommt auf eine zu kleine Menge.

Was bringt die S-Klasse?

Einen Zuschlag, der je nach Molkerei meist zwischen 0,5 und 1,0 Cent je Kilogramm liegt. Verlangt werden unter 50.000 Keime je Milliliter, je nach Molkerei höchstens 250.000 Zellen je Milliliter und keine nachweisbaren Hemmstoffe.

Warum wird Eiweiß höher vergütet als Fett?

Weil Eiweiß in der Verarbeitung, besonders bei Käse, wertbestimmend ist. Der Zuschlag je 0,1 % Eiweiß ist deshalb in der Regel höher als jener für Fett.

Wo finde ich den durchschnittlichen Auszahlungspreis?

Bei der AMA. Molkereien sind nach der Milch-Meldeverordnung verpflichtet, ihren Auszahlungspreis monatlich zu melden; daraus veröffentlicht die AMA den Durchschnitt.

Sind die Zahlen in eurem Beispiel echte Molkereipreise?

Nein. Sie sind frei gewählt, um den Aufbau zu zeigen. Echte Preise unterscheiden sich je Molkerei und Monat – maßgeblich ist deine eigene Abrechnung und die Lieferordnung deiner Molkerei.

Passend dazu

Allgemeine Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Die Zahlen im Beispiel sind frei gewählt und keine echten Molkereipreise – diese unterscheiden sich je Molkerei und Monat. Grundlage der Angaben zu Standardisierung und Güteklassen sind die AMA (Marktinformationen Milch), die Landwirtschaftskammer Oberösterreich (Milchpreisvergleich) und Bio Austria, Stand September 2026. Maßgeblich ist immer deine eigene Abrechnung und die Lieferordnung deiner Molkerei.